Samstag, 25. Januar 2014

Die "Scala del Paradiso" bei Chiasso: Über 900 Treppenstufen zum Paradies

Heute Samstag haben wir den südlichst gelegenen Grenzstein 75B der Schweiz, den "Punto Estremo Sud della Svizzera", bei Chiasso aufgesucht. Auf dem Weg dorthin sind wir über die 900 Stufen der "Scala del Paradiso" hochgestiegen. 

Mitgekommen sind:
Daniel, Stefan, Pia, Priska, Martha, Frederique, Heidi

ROUTE:
Bahnhof Chiasso (238m) -  
"Scala del Paradiso" - 
(900 Treppenstufen zum Paradies) 
Grenzstein 69 - Grenzstein 75 B - 
("Punto Estremo Sud della Svizzera") 
Moreggi (545m) - Pedrinate (423m) - 
Santo Stefano (491m) - 
Bresciano (275m) - Novazzano (341m) - 
Balerna (270m)

Weitere Bilder im Picasa-Webalbum:

Bilder von Martha:
Chiasso-Balerna

  Bilder von Stefan:
Chiasso
 


Route auf swisstopo mit map.schweizmobil.ch

Streckenlänge ca. 15 km, 600 m aufwärts, 550 m abwärts

Im ICN nach Lugano (wo wir in den EC nach Chiasso umsteigen) übergibt die SBB-Zugbegleiterin ihren Job kurzerhand an Daniel. Ausgerüstet mit rotem Schal, elektronischem Zugbegleitergerät und Billettzange macht er sich an die Arbeit. 
Bereits beim ersten Zugpassagier, 
dem Daniel ein Loch ins Ticket knipsen will, wird er: 
(Ha-Ha-Haa) Aus-Ge-Lacht.
Zum Trost erhält er (und wir alle dazu) von der freundlichen Zugbegleiterin einen SBB-Gutschein für eine Gratiskonsumation. 
Für die Rückfahrt am Nachmittag werden wir darum im Speisewagen Platz nehmen.

Kurz nach 10 Uhr kommen wir in Chiasso an. 
Nach einem Startkaffi überqueren wir die Grenze nach Italien 
und machen uns auf die Suche nach der "Scala del Paradiso", 
der über hundertjährigen Treppe mit den 900 Stufen, 
welche dem Grenzzaun entlang führt.
Die Infos zu dieser Treppe 
entnehme ich einem Artikel von Peter Faesi, 
erschienen am 13. April 2012 
in der deutschsprachigen "Tessiner Zeitung": 
Ein vergessenes Monument vor den Toren Chiassos 
900 Treppenstufen zum Paradies
Der Historiker und Hochschuldozent Peter Faesi aus St. Gallen
reist seit über fünfundzwanzig Jahren nach Italien um mit Freunden und Studenten historische Stätten zu besuchen, zu erforschen und zu dokumentieren:
http://www.stollentour.ch/
Die Bahnunterführung auf der italienischen Seite des Bahnhofs Chiasso.
Vom Bahnhof Chiasso aus durchqueren Sie das Zollgebäude Richtung Italien. Hundert Meter später biegen Sie rechts in die unscheinbare Via Stefano Franscini (Wegweiser: Parco Spina) ein. Sie unterqueren die Bahngeleise und biegen unmittelbar nachher scharf rechts ab. Keine fünfzig Meter später stossen Sie auf den Beginn der Treppe, versteckt zwischen Gerümpel und Altmetall (Wegweiser: Scala del Paradiso). Beim Hochsteigen fällt es leicht, sich den intensiven Schmuggelverkehr und das perfide Katz- und- MausSpiel zwischen Schmugglern und Zöllnern vorzustellen. Ein Blick nach rechts in völlig unwegsames Gelände lässt erahnen, wie dankbar die Schmuggler für den Bau der Treppe gewesen sind, erlaubte sie ihnen doch, Chiasso zu umgehen und die Grenze dort zu überqueren, wo die Wegverhältnisse angenehmer waren. Am Ende der Treppe – und ich wette, Sie werden jeden der 900 Tritte in Ihren Knochen spüren – folgen Sie den Wegweisern „Sentiero confinale“ bis zum Grenzstein 69. Der Name „Scala del Paradiso“ hat natürlich nichts mit dem Schmuggel zu tun; vielmehr soll er andeuten, wie anstrengend für den Gläubigen der Eingang in die ewige Seligkeit sein kann.
Quelle: Peter Faesi / Tessiner Zeitung / 13.04.12

Mit der (obigen) Beschreibung von Peter Faesi 
finden wir den etwas versteckten Zustieg zur Treppe auf Anhieb.
Um 10:45 Uhr beginnen wir den Aufstieg über die 900 Treppenstufen.
Gegen 12 Uhr erreichen wir den südlichsten Grenzpunkt der Schweiz
beim Grenzstein 75 B. 
Dort steigen wir durch eine Öffnung im Grenzzaum zurück auf die Schweizer Seite. 
(Beenden werden wir die Wanderung schliesslich um 15:30 beim Bahnhof Balerna.)

Der Wegweiser "Scala del Paradiso" am unteren Ende der Treppe.
Rechts der Grenzzaun, der weiter oben völlig zerfallen ist.

Der Treppenweg "Scala del Paradiso" 
ist auf der Schweizer Landeskarte nicht eingezeichnet. 
Rund 100 bis 300 Meter weiter östlich (rechts auf der Karte) 
ist ein Weg gestrichelt eingetragen. 
Jener führt ebenfalls zum Grenzstein 69. 
(Wie gut begehbar er ist, kann ich nicht beurteilen.)
Diese Treppe, die sich unmittelbar am Grenzzaun befindet und die mit über 900 Stufen an die 200 Höhenmeter überwindet, ist kurz vor 1900 von der Guardia di Finanza erbaut worden. Sie sollte es den Grenzwächtern erleichtern, die Schmuggler zu jagen. Wie so viele Projekte ist auch dieses anders herausgekommen als geplant: Die Schmuggler benützten, Ironie des Schicksals, dankbar diese Treppe und entkamen, offensichtlich besser in Form als die Grenzwächter, mit Leichtigkeit der Verfolgung. Heute ist die Treppe wie gesagt vergessen, aber immer noch – im Gegensatz zum Grenzzaun, der hier völlig zerfallen ist – gut erhalten und gefahrlos begehbar. 
Quelle: Peter Faesi / Tessiner Zeitung / 13.04.12 



Trotz fehlendem Zaun ist ein Grenzübertritt Richtung Schweiz hier kaum möglich.

Für ihr Alter von über 100 Jahren ist die Treppe in einem erstaunlich guten Zustand. 
Stellenweise, wie hier im Bild, sind die Stufen etwas schief gestellt
und drohen nach rechts ins Bachtobel abzurutschen. 
Der Grenzzaun befindet sich hingegen im Zustand der Auflösung.
Trotzdem ist die Grenze hier im wirren Gestrüpp undurchdringlich.



Nur auf einem kurzen Stück muss die Treppe seitlich umgangen werden, ......

 ...... da sie durch umgedrückte Bäume und Stäucher versperrt wird.
Stefan hat hier bereits wieder eingespurt, 
Daniel befindet sich noch auf seitlichen Umwegen.






Die Haupttreppe ist geschafft. 
Es folgen noch kleinere "Zugaben" bis hinüber zum Grenzstein 69.



Erste Sonnenstrahlen erreichen den Waldboden.
Wir erreichen den Grenzstein 69. 
Hier ist durch eine Öffnung im Grenzzaun 
ein Grenzübertritt auf die Schweizer Seite möglich, ....

....... wir bleiben aber vorläufig in ......

....... in "Bella Italia".


Wir befinden uns auf dem Sentiero Confinale n°2 
im Parco Regionale Spina Verde   
Die Verwaltung des Parco Spina Verde hat an die drei Millionen Euro in Weganlagen und Beschilderungen investiert. Eine grosse Auswahl an Prospekten und Wandervorschlägen lädt dazu ein, die Besonderheiten der Natur, aber auch die zahlreichen prähistorischen Stätten aufzusuchen. Der grösste Betrag, fast eine Million Euro, steht für die Renovierung der Burg Baradello bei Chiasso zur Verfügung, daneben ist ein Besucherzentrum in Cavallasca geplant. Obwohl seit 2005 vorgesehen, sind an der Scala del Paradiso noch keine Arbeiten vorgenommen worden. 
Quelle: Peter Faesi / Tessiner Zeitung / 13.04.12




Beim Grenzstein 75B, wo wir jetzt ankommen, 
ist die Rückkehr in die Schweiz ohne Drahtzange, Schweissbrenner etc. möglich, 
wie hier Martha .....

...... und Heidi zeigen.

Bis auf den eben benützen Durchschlupf ist der Grenzzaun hier noch "undurchlässig":
Der Grenzzaun, in Italien „Ramina“ genannt, ist hier noch intakt und besteht aus massiven Eisenträgern*), die in Beton eingemauert sind. In der Mitte des letzten Jahrhunderts liess die italienische Zollverwaltung kleine Glocken am Grenzzaun, anbringen, welche die Aktivitäten der Schmuggler anzeigen sollten. Auch sie haben sich nicht bewährt, sind längst verschwunden, und so lässt sich die Stille an diesem Ort ungestört geniessen. 
Quelle: Peter Faesi / Tessiner Zeitung / 13.04.12
 *) die hier erwähnten "massiven Eisenträger" folgen etwas weiter vorne.


Beim Grenzstein 75B 
liegt der südlichst gelegene Punkt der Schweiz, ......
....... der "Punto estremo Sud della Svizzera". 
Als ich im Dezember 2012 erstmals hier war,
hatten kurz zuvor vier Winterthurer in einer "Piratenaktion" 
die Tafeln vom nördlichsten und vom südlichsten Punkt gegenseitig ausgetauscht. 
Inzwischen ist die richtige Ordnung wieder hergestellt worden.
Es folgt der Grenzzaun-Abschnitt mit den einbetonierten massiven Eisenträgern,
die aber so weit auseinanderliegen, 
dass eine schmale Person durchschlüpfen kann. 
(Vermutlich war hier in der "Vor-Schengen-Zeit" 
zusätzlich noch ein Drahtgitter über die Eisenpfosten gespannt.)


Der GrenzWanderWeg auf Schweizer Seite.
Wer den "Punto Estremo Sud" von der Schweizer Seite her aufsuchen will, 
kann oberhalb vom Dorf Pedrinate diesen Wegweisern folgen.
Wir verlassen vorübergehend das Waldgebiet.
Der Blick in Richtung Nordwesten öffnet sich zur Alpenkette hin, .....

.... die eindeutig dominiert wird vom gewaltigen Monte-Rosa-Massiv.

Hier im Bild vermutlich die Walliser Mischabelgruppe mit Täschhorn und Dom.



Stefan in einer neuen Folge von "Kampf der Titanen"?
Unter einer hohen Kiefer,  
über einem sonnigen Rebhang, .....
..... und umgeben von Bienengesumm halten wir Mittagsrast.

Entfernung bis zur Monte Rosa: rund 90 Kiliometer.
Weiter gehts in Richtung Pedriante.

Der Wegpunkt "Moreggi, 545m" 
ist der höchstgelegene Wegpunkt der heutigen Wanderung. 
Er liegt in unmittelbarer Nähe zum "Punto Estremo Sud".
Abstieg ins Dorf Pedrinate, 
von wo anschliessend der Weg wieder hoch führt, 
hinauf zur Kapelle Santo Stefano (rechts oben).

Zoomblick Richtung Südosten 
auf einen unbekannten Schneeberg in der Lombardei / Norditalien.

Die milde Tessiner Januarsonne im Lichtspiel der Palmwedel.
Pedrinate, 423m

Der Kirchturm von Pedrinate.
Das Dorf gehört seit 1976 zu Chiasso.


Blick zurück auf Pedrinate.
Wegpunkt "S. Stefano, 491m", 
von hier werden wir, nach dem Abstecher zur Kapelle, nach Bresciano absteigen.

Blick nach Norden, 
links der Monte San Giorgio, rechts die Westflanke des Monte Generoso.

Die Kapelle Santo Stefano 
liegt auf einem schönen Aussichtspunkt.
Von Santo Stefano aus nochmals ein Weitblick zur Monte Rosa.



Auf solch holprigem Weg ......

...... ist eine perfekt abrollende Schuhsohle sowie gute Kniefederung von Vorteil
(denkt hier vermutlich Heidi).



Auf dem Weg nach Novazzano richtet sich der Blick, 
vorbei am Rebhang, auf das auffällige Fercasa-Gebäude
sehr schmal, schneeweiss, vermutlich frisch renoviert. 
Das Wohnhaus mit 50 Maisonette-Wohnungen wurde bereits 1964/65 erstellt, 
damals inspiriert von Bauten des Architekten Le Corbusier.



Blick zurück auf Santo Stefano mit der Kapelle, 
wo wir vorhin einen Zwischenhalt eingelegt haben.

Chiasso

Etwas ausserhalb von Novazzano beschliessen wir, 
nicht wie ursprünglich geplant nach Genestrerio, 
sondern nach Balerna weiter zu gehen und die Wanderung dort zu beenden.

Der vermutlich erst kürzlich erstellte, in der Karte noch nicht enthaltene Weg, 
führt schön einem Bachlauf entlang ......
und über mehrere Holzstege hinweg, Richtung Balerna.

Neue Infotafeln am Wegrand zeigen, .....
..... dass wir im Parco Valle della Motta unterwegs sind.


Vorbei an der prächtigen Chiesa Sant'Antonio .....

...... gelangen wir zum Bahnhof in Balerna, 
von wo wir mit der S10 nach Lugano fahren.


Für die Rückfahrt ab Lugano setzen wir uns in den Speisewagen. 
Wir haben ja noch sieben SBB-Gutscheine einzulösen, 
die Daniel mit seinem Einsatz als Zugbegleiter verdient hat.  
(Bild: Stefan / Martha)


Herzlichen Dank 
an alle für die Teilnahme
Beat

Weitere INFOS (mit abweichender Route): 
- wandersite.ch: http://www.wandersite.ch/Tageswanderung/903_Tessin.html

Kommentare:

  1. Herzlichen Dank für diese wunderschöne Frühlingswanderung. Es war sehr schön mit euch zusammen. LG Martha

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  2. Toll! Die will ich seit langem machen! Jetzt, wo ich die Fotos sehe, noch viel mehr.

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