Mittwoch, 29. Januar 2014

Vom Erdmannlistein bei Bremgarten AG bis nach Ottenbach ZH

Heute Mittwoch war ich zusammen mit Heidi und Kurt zwischen Bremgarten im Aargauer Freiamt und Ottenbach im Zürcher Knonaueramt unterwegs. 

ROUTE:
Erdmannlistein (443m / 455m) - 
Bättlerstei / Bettlerstein (469m) - 
Tierpark Waltenschwil (460m) - 
Besenbüren (450m) - 
Chapf (468m) - Althäusern (418m) - 
Reussbrücke Werd-Heftihof (383m) - 
rechter Reussuferweg flussaufwärts - 
Brücke Ottenbach (386m) -
Ottenbach (415m)

Weitere Bilder im Picasa-Webalbum:
 


Streckenlänge ca. 19 km; 200 m auf- und abwärts
(Route auf swisstopo mit map.schweizmobil.ch)
(1): Wanderstart bei der BDWM-Haltestelle "Erdmannlistein" 
zwischen Bremgarten und Wohlen
(2): Erdmannlistein
(3): Bättlerstei / Bettlerstein
(4): Chesslerstein im Tierpark Waltenschwil

Kurz nach 9 Uhr kommen wir mit der Bremgarten-Dietikon-(Wohlen)-Bahn bei der Haltestelle "Erdmannlistein" an. Die beiden Erdmännchen .....

...... machen nicht gerade den Eindruck, dass sie uns freundlich empfangen wollen. 
Vielleicht haben die beiden aber nur den früheren Zug Richtung Bremgarten verpasst.

Bei der Haltestelle beginnt die Wanderung, die uns bis nach Ottenbach führen wird, 
wo wir in sechs Stunden um 15 Uhr ankommen werden.

Nach wenigen Minuten sind wir beim Erdmannlistein, drei auffällig übereinanderliegenden Findlingen, die während der Würmeiszeit durch den Reussgletscher in dieser Gegend abgelagert worden sind. In der nahen Umgebung ragen weitere grosse Felsblöcke aus dem Waldboden.
Es darf gerätselt werden, ob der obenliegende, rund 60 Tonnen schwere Fels von der Natur oder mit menschlicher Kraft in diese Position gebracht worden ist.  
Es sind mässig vergneiste, weisse Granite aus dem Aarmassiv mit einzelnen cm-grossen Feldspateinsprenglingen. Sechs grosse Blöcke messen je zwischen rund 5 m3 und 20 m3. Um die Dreiergruppe des Erdmannlisteins ranken sich viele Legenden. Wenn auch eine rein zufällige Ablagerung durch den Gletscher nicht völlig ausgeschlossen werden kann, erscheint die Anordnung durch Menschenhand wesentlich wahrscheinlicher. (....) Von anderen, gesicherten Beispielen wissen wir, dass in prähistorischer Zeit auf uns unbekannte Art schon wesentlich schwerere Blöcke transportiert und aufgestellt wurden. Mit den umgebenden Erratikern dürften die drei des Erdmannlisteins praktisch vom Ort stammen. (....) Die Blöcke des Erdmannlisteins zählen zu den grössten noch erhaltenen Erratikern der Gegend. Mit den umgebenden Findlingen zeigen sie eine auffallende, vermutlich natürliche Häufung. Ihre höchst auffällige Anordnung ist als prähistorische Kultstätte zu deuten. 
Quelle: http://www.erratiker.ch/CH/bremgarten-erdmannlistein.htm

Weitere Infos, dokumentiert von Richard Walker:
Megalithobjekte im Grossraum Bremgarten - Wohlen (AG)

Unter dem Erdmannlistein soll sich laut einer lokalen Sage der Eingang zu einer Höhle befunden haben. Darin hätten die zutraulichen «Erdmannli» (Erdmännchen) gelebt, den Heinzelmännchen ähnliche Wesen. Sie hätten Tänze und Sprünge aufgeführt und dafür von den Menschen Gemüse als Belohnung erhalten. Als zwei junge Burschen Steine in die Höhle geworfen hätten, seien die «Erdmannli» für immer verschwunden. Unter Kindern kursiert die Sage, dass die «Erdmannli» dann wieder hervorkämen, wenn es jemand schaffte, sieben Mal mit angehaltener Luft um den Erdmannlistein zu rennen (was unmöglich ist). 
Quelle (Wikipedia): http://de.wikipedia.org/wiki/Erdmannlistein



Wie auch immer diese Felsblöcke hier platziert worden sind, man kann sich gut vorstellen, dass sie bereits auf unsere Vorfahren mächtig Eindruck gemacht haben.

Neben den Findlingsblöcken sorgen auch Moortümpel, hier im Torbenmoos,
für eine "sagenhafte Stimmung" in diesem Waldgebiet, 
das zwischen Bremgarten und Wohlen über dem Aargauer Reusstal liegt.



Rund 350 Meter südlich des Erdmannlisteins staunen wir erneut über einen Findling: 
den Bettlerstein (auf der Landeskarte: Bättlerstei).
Gemäss einer Sage sollen bei diesem Findling braune Zigeuner gelebt haben. Diese verehrten den Erratiker und benützten ihn als Heimstatt. Auch später soll sich hier, wie beim nahen Chesslerstein, viel Fahrendes Volk gesammelt haben. 
Da diese braungebrannten Leute in der ganzen Umgebung für ihren Unterhalt bettelten, gab man dem Findling den Namen Bettlerstein. 
Quelle: http://www.erratiker.ch/CH/bremgarten-bettlerstein.htm

Beim Versuch von Kurt, diese schräggestellte Steinplatte ins rechte Lot zu bringen, bleibt es bei einer Stretching-Übung.



Heidi beim Rücken-Training.

Ein weiterer Moortümpel im Cholmoos.




An morschen Baumästen entdecken wir "Haareis / Eiswolle".
Lockige Haarbüschel aus Eis sind ein ganz seltenes Naturphänomen. Sie können sich nur unter ganz bestimmten meteorologischen Bedingungen bilden. Hauptverantwortlich ist aber nicht das Wetter, sondern ein Pilz. (.....) Haareis bildet sich auf morschen und faulen Ästen im Wald. Das Phänomen ist wissenschaftlich noch wenig erforscht. Man geht aber davon aus, dass der Bildungsprozess von einem Pilz ausgelöst wird. In Ästen am Waldboden gibt es winteraktive Pilze. Ihr Stoffwechsel produzieren Gase. Liegt die Temperatur nur knapp unter dem Gefrierpunkt, ist im morschen Holz noch flüssiges Wasser vorhanden. Durch die Gasbildung des Pilzmyzels wird es verdrängt und dringt durch die Poren im Holz nach aussen. Hier gefriert das Wasser zu Eis. Mit der Zeit entsteht ein dünner Eisfaden. Ist die Luftfeuchtigkeit im Wald hoch, kann das Eishaar weiterwachsen, ohne dass es gleich wieder verdunstet, oder im Fachjargon zu Wasserdampf sublimiert. 
Meist bilden sich an den vielen Poren im Holz unzählige solcher Eishaare: 
Ein ganzes Haarbüschel kann sich formen. 




Wir treffen auf eine erste Skulpturengruppe am Freiämter Sagenweg.

Die Sage (1) der lustigen Reussjungfern auf dem Tanzplatz von Zufikon
Die Sage (2) vom Teufel auf der Isenburg



Der Teufel mit dem Rückgrat aus Fünfräpplern.


Die Sage (6) vom Zwerg von Muri
Die Sage (8) vom Stifeliryter

Die Sage (9) vom Kegler im Uezwiler Wald 
(Insgesamt werden 12 Freiämter Sagen dargestellt.)


Wir verlassen den sagenhaften Wald ......

....... und kommen zum Tierpark Waltenschwil mit seiner grossen Damhirschherde.







Auf dem Areal des Tierparks liegt der Chesslerstein, ein weiterer Findling.

Zeitweise befinden wir uns auf Abschnitten des weitläufigen Freiämterweges
Vom Tierpark Waltenschwil gehen wir weiter in Richtung Besenbüren.

Blick zur Alpenkette


Die Kirche von Bünzen bei Boswil, 
im Dorf, welches durch einen Sketch von César Keiser 
schweizweit bekannt geworden ist:
"Kuenz bi Fründe in Bünze bi Boswil"

Mittagsrast (auf Findlingen als Sitzgelegenheit) über dem Dorf Besenbüren.








Gegenüber, im Südwesten, verläuft der Höhenzug des Lindenbergs. Unten im Tal fliesst die Bünz durch das Freiamt bis zur Mündung in die Aare bei Möriken-Wildegg.

Im Nordosten liegt das Reusstal vor uns, wohin wir demnächst absteigen werden.

Zoomblick hinüber um Üetliberg.

Beim Wegpunkt "Chapf 468m" 
steigen wir hinunter nach Althäusern, 
wo uns Kurt zu einem Kaffi einlädt.
Wir queren den Talboden auf dem Weg zur Reussbrücke bei Werd.


Auf der Reussbrücke zwischen Werd und Heftihof.

Teils auf dem Reussdamm oder wie hier auch direkt am Ufer gehen wir flussaufwärts.






Wir hätten auch der linken Flussseite entlang gehen 
und hier auf der Ottenbacher Brücke die Reuss überqueren können.
Die Grenze zwischen den Kantonen Aargau und Zürich 
verläuft hier genau in der Flussmitte.

Ankunft in Ottenbach im Knonaueramt. 
"Auf der Sonnenseite"
gemeint ist vermutlich die Sonnenseite der Albiskette. 
Die Sonne selbst ist heute allerdings nicht zusammen mit uns vom Freiamt ins Knonaueramt mitgekommen.

In Ottenbach besteigen wir das Postauto nach Affoltern am Albis.

Herzlichen Dank
an Heidi und Kurt für die Begleitung.
Beat

Kommentare:

  1. Diese Route möchte ich im Frühjahr unbedingt mal nachwandern. Danke Beat für die super Idee und die gute Reportage!!! LGr Sylvia

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  2. war wirklich eine einzigartige Wanderung, merci Beat! mfG Kurt

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  3. Äs isch würkli ä spezielli und wunderschöni Wanderig gsi, ich bins dank äm Rückblick grad namal gwandärät, LG Heidi

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