Donnerstag, 1. Mai 2014

Rundwanderung im Valle Morobbia / TI

Heute Donnerstag, dem 1. Mai,  habe ich eine Rundwanderung im unteren Abschnitt des Valle Morobbia unternommen. Von Giubiasco bei Bellinzona bin ich auf der linken Talseite bis zur Staumauer bei Carmena aufgestiegen: zur Diga Morobbia / Diga di Carmena. Für den anschliessenden Rückweg habe ich die rechte Talseite gewählt. Der Hinweg von Giubiasco / Camorino bis zum Morobbia-Stausee ist als "Via dell'Acqua" / "Weg des Wassers" beschildert. Vermutlich um dieser Bezeichnung vollständig gerecht zu werden, haben in der Umgebung des Stausees auch ein paar Regentropfen dazugehört.

ROUTE:
Giubiasco (230m) - 
Camorino Ponte Vecchia (254m) -
Montagna (338m) - 
Monti di Verona (609m) - 
Monti di Scertara (766m) - 
Monti di Stagno (855m) - 
Staumauer / Stausee: 
Diga Morobbia / Diga di Carmena (642m) - 
Vellano (786m) - Paudo (797m) - 
Pianezzo (460m) - Lôro (392m) -
Giubiasco (230m)

Weitere Bilder im Picasa-Webalbum:
 
Stausee bei Carmena im Valle Morobbia
(Staumauer: Diga Morobbia / Diga di Carmena)

Rundwanderroute im unteren Abschnitt des Valle Morobbia 
(swisstopo mit map.schweizmobil.ch)

Streckenlänge ca. 15 km; 1000 m auf- und abwärts

Kurz nach 09:30 Uhr 
beginne ich die Wanderung beim Bahnhof Giubiasco in Richtung Camorino. 
Gegen 13 Uhr erreiche ich den Morobbia-Staudamm 
und um 15 Uhr bin ich zurück hier in Giubiasco.

Im Tessin ist der 1. Mai ebenfalls ein Feiertag und so sitzt beim "Parco pubblico" in Giubiasco bereits viel Volk in den Gartenrestaurants. Links der Bildmitte, über den Sonnenschirmen und Parkbäumen, ist der südliche Talhang des nach Osten verlaufenden Valle Morobbia zu erkennen, dem ich talaufwärts entlang gehen werde.

Beim Wegweiser "Giubiasco / Parco pubblico" wähle ich die Richtung nach rechts zum "Sentiero Morobbia". Carena, zu Fuss in 4:30 h erreichbar, ist das oberste Dorf im Valle Morobbia. Dorthin fährt am frühen Morgen, am Mittag und am Abend auch ein Autobus ab Bellinzona. Das Dorf liegt rund 2 km (Luftlinie) oberhalb des Morobbia-Stausees. 
Für Wanderungen in jenem oberen Abschnitt des Tals 
muss man mindestens zwei Tage einplanen, denn ab Zürich beispielsweise 
ist Carena mit ÖV frühestens um die Mittagszeit erreichbar.

Zoomblick nach Südwesten zum Monte Tamaro.

In Camorino überquere ich die Morobbia über die Ponte Vecchia. 
Der wilde Bergbach aus dem Valle Morobbia mündet kurz darauf in den Ticino.

Infotafeln zu den "Fortini della fame" (den "Hungertürmen") 
und zur "Via dell'Acqua".

Aufstieg zwischen Camorino und Montagna.

Zoomblick nach Nordosten zum Pizzo di Claro.

Blick über die Magadinoebene hinüber zum Lago Maggiore.
In der Bildmitte einer der fünf noch bestehenden "Hungertürme" von Camorino.

Schönes Farbenspiel in Grün.

Der Hungerturm "AL PIAN DI BUR", .....

...... umgeben von sanft geschwungenem Rebhang.

Anlass für den Bau der "Hungertürme" waren politische Wirrnisse vor 160 Jahren:
Oberhalb des Dorfkerns von Camorino stehen Zeugen der bewegten Geschichte des 19. Jahrhunderts im Tessin, eines Jahrhunderts des Elends, des Krieges, der Auswanderung und der politischen Kämpfe. Der Kanton Tessin war ein republikanischer und demokratischer Keil in der österreichischen Lombardei, umgeben von Monarchien. Für die Flüchtlinge war es ein gelobtes Land, den Herren von Lombardo-Venetien ein Dorn im Auge. Die Bewohner lebten von Viehwirtschaft und Holzexport, während Italien die Kornkammer war und Arbeitsmöglichkeiten bot. Als das Tessin 22 lombardische Kapuzinermönche als angebliche österreichische Agenten auswies, wurden 6000 Tessiner Arbeitnehmer und Geschäftsleute aus der Lombardei vertrieben. Die Eidgenossenschaft blieb nicht tatenlos; sie beschloss eine Festungsanlage aus 36 "Feuertürmen" zu bauen, in denen zwanzigtausend Soldaten Platz finden sollten, um südlich von Bellinzona die gefährlichen Nachbarn aufzuhalten.
Militärisch blieb das Unternehmen wirkungslos, doch es gab den vertriebenen Tessinern willkommene Arbeit und Brot. Davon zeugen heute 5 seltsame zylindrische Türme oberhalb Camorino und ein weiterer bei Sementina. 
Einige dieser sogenannten "Hungertürme"  sind verfallen, andere wurden restauriert. 
Quelle: Die Hungertürme in Camorino beim Eingang des Valle Morobbia



Rastplatz mit Tiefblick auf Giubiasco und Bellinzona.

Blick talaufwärts durchs Valle Morobbia. 
Ob ich hier überall einen gehbaren Weg finden werde?

Blick zum schön "hölzig" gestalteten Überbau 
auf dem Weinkeller des Weinguts .....


...... "Azienda agricola la Minerva".

Gleich folge ich dem "Via dell'Acqua" .....

...... und nehme die Bezeichnung "Weg des Wassers" vorübergehend etwas zu wörtlich.
Der unterste Abschnitt der Druckleitung, welche das Wasser vom Morobbia-Stausee zu den Turbinen unten in Giubiasco führt, verläuft an der Oberfläche. 
Und sie "verleitet" mich zu einem ungeplanten 
und zudem ziemlich schweisstreibenden Abstecher dieser Wasserleitung entlang: 
(Die "Via Acqua" muss doch sicher dem Wasser folgen, denke ich 
und übersehe eine Abzweigung nach links.)

Ich folge also dieser Druckleitung 
der steilen Falllinie des Hangs entlang bis zu einem Bauwerk, 
bei welchem die Wasserleitung im Berg verschwindet 
(-> Vecchio bacino). 
Auf der Landkarte ist zwar auch dort oben 
ein Anschlussweg eingezeichnet (-> ??).
Dieser erscheint mir aber bald als zu riskant, 
so dass ich schliesslich umkehre 
und weiter unten den markierten und besseren Weg aufsuche. 
Später sehe ich in der Via-Acqua-Info-Broschüre
dass der Weg entlang der Druckleitung 
punktiert und nur als Abstecher eingezeichnet ist.
Hier verschwindet die Druckleitung im Berg 
und verläuft bis zum Morobbia-Stausee durch Felsstollen.
Ein leises Sirren im Druckrohr lässt mich vor einem Rohrbruch fürchten 
(er möge aber bitte nicht gerade zu diesem Zeitpunkt geschehen).

Seitlich des Bauwerks vermutlich ein ehemaliges Regulier- oder Sandabsetzbecken 
beim Übergang zwischen Wasserstollen und Druckleitung.

Die Druckleitung hinunter zum Kraftwerk in Giubiasco. 
Hinten am Gegenhang liegen Sementina und Monte Carasso, 
von wo ich am 18. April losgewandert bin.
Gut erkennbar ist die Seilbahnschneise hinauf nach Mornera. 
Rechts oben der Gaggio.
Bellinzona und rechts oben der Pizzo di Claro.

Der Hang ist beängstigend steil, der Weg sehr schmal ...
.... und bei diesem An- und Ausblick kehre ich schliesslich um. 
Ich gehe entlang der Druckleitung wieder zurück 
und suche weiter unten einen hoffentlich sicherer begehbaren Weg 
hinüber zu den Monti di Verona / Scertara / Stagno.

Hier gerate ich gleich nochmals ins Abseits ......

...... aber hier gehe ich endlich wieder richtig 
(und rot-weiss-markiert).

Von weitem erscheint das Morobbia-Tal recht unzugänglich, 
doch mehrere kleine Dörfer verstecken sich an den bewaldeten Berghängen.



Drüben auf der gegenüberleigenden Talseite liegt Pianezzo. 
Dort werde ich auf dem Rückweg am Nachmittag vorbeikommen.


Monti Verona quere ich bei den obersten Häusern
und folge hier darum dem Wegweiser nach Monti Scertara.


Irgendwo dort hinten, bzw. unten muss der Stausee liegen, 
bei dem ich die Talseite wechseln werde.
Der Weg führt über zahlreiche kürzere und längere Metallgitterstege 
durch eine wilde Umgebung.

Zoomblick Richtung Norden, ......

..... hinüber zum Gaggio, 
den wir mit FF im September 2012 von Mornera her bestiegen haben.

Bewohntes ....

..... und Unbewohntes.

Ankunft auf "Monti di Verona",
noch knapp zwei Stunden bis zur Staumauer "Diga Carmena".
(Die Via-Acqua-Wegweiser zeigen in Richtung vom Stausee nach Giubiasco, entsprechend der Fliessrichtung des Wassers.

Auch Felssturz-Brocken machen um die Mittagszeit einen Zwischenhalt.

Unterwegs bin ich nur dieser Familienwandergruppe begegnet
(abgesehen von zwei Fischern hinten am Stausee).

Aus einer anderen, unweit zurückliegenden Zeit: 
Der Telefonapparat ist abmontiert, die Telefonbücher sind noch vorhanden. 
Wiederholt komme ich hier in der Wildnis an solchen alten Telefonkabinen vorbei.

Die Dörfer und die Strasse liegen auf der gegenüberliegenden Talseite.
Hier auf dieser Seite sind die Monti, d.h. ehemalige Alpsiedlungen und Maiensässe, 
welche heute als Wochenend- und Ferienhäuser umgenutzt werden.






12 Uhr / Mittagszeit

"Monti di Stagno", noch eine Stunde bis zur Staumauer "Diga Carmena".

Im steilen Zick-Zack führt der Weg hinunter in die Schlucht und zur Staumauer.

Staumauer in Sicht 
(voerst im Zoomblick durch eine Lücke im Geäst des dichten Waldes).





Leichter Regen setzt ein.
Steg über die Morobbia (oder einen Nebenbach), .....
...... die hier eine tiefe Schlucht .....
...... aus dem Fels gewaschen hat.



Gegen 13 Uhr, nach rund dreieinhalbstündiger Wanderung (inkl. erwähntem Irrweg),
stehe ich vor der Staumauer, der Diga di Carmena / Diga Morobbia.

Wegpunkt "Diga Morobbia, 642m" (Diga di Carmena)

Die Morobbia-Anlage wurde 1903 erbaut und 1972 erneuert. 
Die Staumauer ist 39 Meter hoch, die Mauerkrone misst 99 Meter 
und der Wasservorrat beträgt etwa 250'000 Kubikmeter Wasser.
Quelle: http://www.ticino.ch/de/tours/details/Der-Weg-des-Wassers/121278.html 
Weitere Infos (auf italienisch) in der Via-Acqua-Info-Broschüre. 

Der Stausee ist auch ein Fisch-Gewässer. 
Jedenfalls gehen zwei Fischer eben zurück ans Trockene zu ihren Fahrzeugen.



Blick von der Staumauer talabwärts.
Ob ich einen Ausweg aus diesem engen Tal finden werde?
Von der Staumauer führt mein weiterer Weg nun zu den Dörfern Vellano und Paudo 
am Hang auf der rechten Talseite des Valle Morobbia.
Ganz oben im Valle Morobbia und auf der Grenze Schweiz-Italien liegt der Passo S. Jorio, der Übergang ins Valle S. Jorio und hinunter zum Comersee. 
Für Streifzüge im oberen Abschnitt des Tals 
fährt ein Autobus (Linea 212) von Bellinzona bis ins oberste Dorf nach Carena.

Ohne Regentropfen und Regenschirm 
würde die "Via Acqua" ihren Namen heute nicht verdient haben.

Nach der Staumauer steigt der Weg wieder an 
und ermöglicht nochmals einen Tiefblick hinunter auf die Mauerkrone.



Es darf gerätselt werden!
(Darstellung eines Familien-Stammbaums?)

Die Waldlichtungen mit den Rustici auf der gegenüberliegenden Talseite.



Im Dorf Vellano



Drüben der Weg über die Monti, welchen ich gegangen bin.

Monte Tamaro

Der nachfolgende Schlussabstieg ist steil und stellenweise recht ruppig 
sowie infolge des kürzlich gefallenen Regens auch ziemlich glitschig.

Giubiasco, runterfliegen wäre einiges komfortabler.

Wolkendramatik über dem Lago Maggiore ....

...... und über der Magadinoebene.

In Paudo spure ich nochmals kurz auf einen falschen Weg ein. 
An diesem Wegweiser bin ich wieder richtig: 
Nach Pianezzo, Lôro, Giubiasco.





Pianezzo



Buchstabenrätseln: Vermutlich "Casa Montagna"




Drüben eine alte Bekannte: 
Die Druckleitung, der entlang ich bis zum Bauwerk links oben aufgestiegen 
und später wieder abgestiegen bin. 
Der Via-Acqua-Weg führt eigentlich unten am "Hungerturm" vorbei.
Inzwischen ist alles klar wie sauberes Wasser.

Lôro, 392m

Castello di Sasso Corbaro, 
die oberste der drei Burgen von Bellinzona.

Um 15 Uhr .....

....... bin ich zurück in Giubiasco.

Weitere INFOS: 
- hikr.org: Zur Diga di Carmena 
- bellinzonaturismo.ch: Die Hungertürme in Camorino beim Eingang des Valle Morobbia 
- ticino.ch: Der Weg des Wassers

Kommentare:

  1. Hallo und guten Morgen,
    Immer wieder gerne verfolge ich Deine sehr schönen Wanderungen.
    Aber die aus dem Tessin freuen mich besonders und lassen fast ein bisschen
    Fernweh aufkommen.

    Liebe Grüße aus der Nähe von München
    Andrea


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  2. Grosses Abenteuer, vielen Dank für die tollen Bilder.

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  3. Super diese Beschreibung der Wanderung inclusive Bilder 👍😄

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