Samstag, 17. Mai 2014

Rundwanderung Val Calanca / Misox: Grono - Sta. Maria in Calanca - Cama

Heute Samstag bin ich ins Tessin bis nach Bellinzona und von dort über die Kantonsgrenze nach Graubünden gefahren. Bis auf wenige Kilometer an Bellinzona heran verlaufen hier das Misox (Val Mesolcina) und das seitliche Calancatal (Val Calanca), zwei der vier Bündner Südtäler in denen italienisch gesprochen wird. Nahe Roveredo, vom Dorf Grono aus, bin ich nach Santa Maria in Calanca*) aufgestiegen. Nach dem Besuch der Wallfahrtskirche Santa Maria Assunta und des Burgturms bin ich nach Cama im Misox abgestiegen und auf dem Talboden der Moësa zurück nach Grono gewandert.
*) nicht zu verwechseln mit dem Maria-Dorf im Münstertal: "Santa Maria Val Müstair"

ROUTE:
Grono (338m) - Nadro (430m) - 
Pisella (614m) - Castaneda (779m) -
Sta. Maria (955m) -
Verdabbio (604m) - Cama (375m) - 
Leggia (337m) - Tec (326m) -
Monda (327m) - Grono (338m)

Weitere Bilder im Picasa-Webalbum:
 
Burgturm und Kirche Madonna Assunta im Dorf Santa Maria in Calanca.

Rundwanderroute ab Grono, beim Talausgang des Calancatals ins Misox.

Streckenlänge ca. 16 km; 750 m auf- und abwärts
Eine vorzügliche Beschreibung dieser Rundwanderroute mit vielen Zusatzinfos 
findet sich im Wanderbuch "Val Calanca" (Rotbuchverlag):
Wanderung 12 / "Durch den Garten des Calancatals" (<- ein PDF-Link)

Um 10:30 Uhr beginne ich die Wanderung in Grono 
mit dem Aufstieg Richtung Calancatal. 
Um 12:15 erreiche ich das Dorf Santa Maria in Calanca 
mit dem höchsten Punkt der heutigen Wanderung auf 955 m.ü.M. 
Gegen 15:15 Uhr bin ich zurück, hier in Grono. 
(Im Dorf Grono bin ich von Bellinzona her mit dem Postauto angekommen.  
Mo bis Fr besteht jeweils rascher Anschluss in Bellinzona. 
Am Wochenende hingegen reicht die Zeit, 
 rund 3/4 Std. bis das Postauto um 10:07 Uhr Richtung San Bernardino / Thusis losfährt, 
für einen kurzen Stadt-Spaziergang durch Bellinzona.)

Herrliche Nordföhnstimmung ......
..... sorgt für tolle Sicht und angenehme Ventillation.
Gegenüber verläuft das Val Grono in Richtung zur italienischen Grenze.

Die Calancasca verlässt durch eine Schlucht das Calancatal 
und mündet zwischen Grono und Roveredo in die Moësa
welche vom San-Bernardino-Pass her kommend das Misox durchfliesst.
Oberhalb von Grono fühle ich mich wie im Dschungel, ......

..... so dicht ist die Vegetation.
Hier kann es im Sommer auch "dschungelmässig" heiss werden: 
Am 11. August 2003 wurde in Grono während der Hitzewelle in Europa mit 41,5 °C die bisher höchsteTemperatur der Schweiz seit Messbeginn registriert. Grono ist damit bisher der einzige Ort der Schweiz, in dem Temperaturen von über 40 °C offiziell (vom nationalen Wetterdienst MeteoSchweiz) gemessen wurden. 
Die Wetterstation Grono liegt an einem Sonnenhang auf 382 m in den unteren Lagen des Misox.

Die Siedlung Nadro liegt nur wenig oberhalb von Grono (im Misox), 
gehört aber bereits zur Gemeinde Castaneda (im Calancatal).

Wegpunkt "Nadro, 430m" am Weg zwischen Grono und Castaneda / Sta. Maria.
(Molina liegt weiter hinten im Calancatal, am Stausee "Laghet di Buseno".)







Kurz oberhalb von Nadro ist der Wanderweg, 
welcher vom kurvenreichen Fahrweg 
hinauf nach Castaneda abzweigt, gesperrt.
Allem Anschein nach muss hier ein Rutschhang grossflächig stabilisiert werden.

Oben eingezeichnet ist das gegenwärtig gesperrte Wegstück oberhalb von Nadro: 0<-0
Diese Wegsperrung ist weiter kein Problem, denn etwas weiter oben kann der Serpentinenweg, der ebenfalls nach Castaneda hinauf führt, wieder verlassen werden. Oberhalb von Castaneda liegt die Wegabzweigung ins hintere Calancatal. Die Autostrasse von Grono ins Val Calanca verläuft im unteren Abschnitt auf der gegenüberliegenden Talseite. Die Autostrasse nach Castaneda und Santa Maria zweigt nach der Brücke über die Calancasca rechts ab.


Der Serpentinenweg hinauf nach Castaneda 
hat abwechselnd Hart- oder, wie hier, Naturbelag.

Diese Wegsperrung (die ich missachtend überspringe) 
ist mir nun allerdings nicht verständlich. 
Vermutlich wurde gestern Freitagabend vergessen, 
diese Kette mit der Verbotstafel zu entfernen.

Das Verbot gilt vermutlich nur unter der Woche, 
wenn unten gearbeitet wird.

Hier passiere ich die obere (und verständliche) Absperrstelle.

Blick zur Waldschneise mit der Autostrasse 
auf der gegenüberliegenden Talseite des Val Calanca.



Hier bei der Wegstelle "Pisella, 614m" ......

.... zweigt der Wanderweg vom Forstweg nach rechts ab und führt durch den mit Steinmauern terrassierten Hang zu einer zerfallenen Siedlung. Dort oben muss man gut Acht geben, um den richtigen, nach rechts führenden Weg zu erwischen.  
(Dank GPS-Anzeige habe ich schnell bemerkt, dass ich vorerst falsch, d.h. nach links, gehe.) 
Dieser (freigelegte und restaurierte) Terrassenhang erlaubte es, 
hier früher sogar Getreide anzupflanzen.
Der richtige Weg nach Castaneda führt durch diese Ruinen ...

.... und über einen kurzen Holzsteg Richtung Osten.

Schöner Steinplattenweg ......

....... duch alten Kastanienhain.


Ich erreiche den oberen Dorfteil von Castaneda, 
wo die Kirschen offenbar demnächst reif sind.




Im Land der Kastanien. 
"Castaneda", der Name des Dorfs, 
bezieht sich auf die zahlreichen Kastanienselven in der Umgebung.

Das Dorfzentrum von Castaneda mit der Kirche liegt etwas tiefer.

Zoomblick hinauf zu Felsformationen im Südosten. 
Die Punkte und Striche auf der Schneefläche sind keine Skifahrer sondern Bäume, 
denen nach diesem schneereichen Winter hier auf der Alpensüdseite 
eine lange andauernde Schneeschmelze bevorsteht.



Und plötzlich liegt es vor mir: 
Das Dorf Santa Maria in Calanca mit Burgturm und Kirche, .....

........ sowie den Misoxer Bergen im Hintergrund.


Durch die schmalen Gassen zwischen den Steinhäusern von Santa Maria 
suche ich den Weg zur Kirche.

"Sta. Maria, 955m", 
Aufgang zur Pfarr- und Wallfahrtskirche Santa Maria Assunta.
(CALANDA liegt bei Chur, Calanca ist hier. 
Obwohl ich kein Biertrinker bin, 
muss ich das D mehrmals duch ein C ersetzen.)

Santa Maria Calanca 
Chiesa di S. Maria Assunta
Unten der deutschsprachige Text auf der Infotafel 
zur Kirche und zum grossen schmiedeeisernen Kreuz.
(Maria Assunta -> Maria Himmelfahrt)


Der deutschsprachige Textteil auf der Infotafel neben der Kirche.

Blick ins Innere der Kirche ....

....... und hinauf zur prachtvollen Holzkassettendecke.



Hinter der Kirche fällt das Gelände steil ins Misox ab.

Irgendwo dort oben, von Santa Maria bis nach San Bernardino, 
verläuft zwischen dem Calancatal und dem Misox der spektakuläre Calanca-Höhenweg:
"Sentiero Alpino Calanca".
Verlauf des Calanca-Höhenwegs zwischen San Bernardino und Sta. Maria in Calanca.
Karte / GPS-Daten (myswitzerland.com): Sentiero alpino - Calanca Höhenweg


Tiefblick zum Nachbardorf Castaneda.

Aufstieg zum Burgturm.

Ziemlich unheimlich ist dieser Aufstieg im Innern des Turms:
Düster wie in einer Kuh ist's 
und durch die Maueröffnungen zieht der kräftige Nordwind.

Und zu alledem verschwindet oben auf der Plattform gerade ein schwarzes Kätzchen, 
weiss der Kuckuck wohin.
Wikipedia: Turm von Sta. Maria in Calanca

Links unten im Tal liegen Grono und Roveredo. 
Gegenwärtig ist für die N13 die Umfahrung von Roveredo inkl. Tunnel im Bau. 
Rechts auf der Geländeterrasse das Dorf Castaneda.

Blick vom Burgturm auf den Kirchturm nebenan.

Zoomblick nach Südwesten zum Monte Tamaro.

Valle Mesolcina / Misox
Blick talaufwärts in Richtung Mesocco / San Bernardino.



Der Abstieg ins Misox kann beginnen. 
Zuerst geht's über diese Wiese, dann durch steilen Wald hinunter nach Verdabbio.

Blick zurück und zur flatternden Belehrung:  
Du bist nicht etwa im Ticino, sondern bei den Bündner Steinböcken!







"Verdabbio, 604m"





Zwischen Verdabbio und Cama 
wähle ich eine Abkürzung, ......
...... welche mich unten bei der Kirche von Cama 
wieder auf den vorgesehenen Wanderweg führt.





"Legga, 337m", noch eine Stunde bis Grono.

Die breite Talebene "Campagna" im Misox zwischen Grono und Leggia.

Hier wird vermutlich demnächst eine EU-Flagge gehisst!



Oben am Talhang das Dorf Verdabbio.



Die Moësa, der Fluss im Misox, mündet nahe Bellinzona bei Arbedo in den Ticino.
Von weitem, hinten am Waldrand, .......

...... sehe ich diese beiden Tiere, 
eine Eselin mit ihrem Jungen, 
und gehe dorthin auf Besuch.


Achtung
es wird gesprengt!

Steg über den Riale Grono ......

........ mit Blick auf einen wunderschönen Wasserfall.
Abschliessendes Wegstück hinüber nach Grono, 
links hinter dem Dorf der Eingang ins Val Calanca.

Über dem Dorf ist hier vermutlich jener Rutschhang zu erkennen, 
welcher die Wegsperrung (zum Beginn der heutigen Wanderung) ausgelöst hat.



Brücke über die Moësa hinüber nach Grono.

Auenlandschaft: Golena "Pascolet"

Die Moësa bei Grono ist noch (oder wieder?) ein richtiger Fluss.

Stillgelegt: Misoxerbahn mit Bahnstation Grono. 
Im Jahr 1907 wurde zwischen Bellinzona und Mesocco 
diese Bahnlinie der Misoxerbahn eröffnet; 
im Jahr 1972 der Personenverkehr eingestellt.



Um 15:15 Uhr beende ich die Rundwanderung in Grono 
und fahre mit dem Postauto zurück nach Bellinzona. 
Für die Rückreise nach Zürich bestehen zwei Möglichkeiten:
- in 3.5 bis 4 Std. via Bellinzona durch den Gotthard
- oder in 4 bis 4.5 Std. durch den San Bernardino via Chur.
Ich werde wohl bald wieder in diese Gegend zurückkehren.
(Das "Val Calanca"-Buch habe ich jedenfalls umgehend bestellt.)

Weitere INFOS (mit unterschiedlichen Routen): 
- Im Wanderbuch "Val Calanca" / rotpunktverlag.ch: Durch den Garten des Calancatals 
- hikr.org: Sta. Maria in Calanca 
- Rother Wanderführer "Tessin" (Route 18): Von Santa Maria in Calanca nach Cama 
- burgenkids.ch: Santa Maria - Grono

Kommentare:

  1. wie ist es mit Schutzhunden? Das Bild dieses wilden Hundes macht mir Angst!

    AntwortenLöschen
  2. Ein wirklich sehr schön geschriebener Bericht, die Bilder sind wirklich beeindruckend - es muss eine sehr gute Kamera gewesen sein! Ich kenne die Gegend, dank dieser Beschreibung werde ich mich als Wandermuffel nächstes Jahr mal auf den Weg machen.

    Hunde laufen dort soweit ich weiß nicht ohne Besitzer herum, allein schon wegen den Wildtieren in den Bergen. An vielen Wegen gilt sogar Leinenzwang. Das kann im Tal durchaus anders sein.

    AntwortenLöschen